{"id":46,"date":"2013-04-27T22:41:16","date_gmt":"2013-04-27T20:41:16","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.mellnau.de\/?p=46"},"modified":"2021-01-17T12:16:55","modified_gmt":"2021-01-17T10:16:55","slug":"750-jahre-burg-mellnau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.mellnau.de\/?p=46","title":{"rendered":"750 Jahre Burg Mellnau"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"initialcap\">U<\/span><br>nsere Burg \u2013 wildromantisches Gem\u00e4uer, anziehender Tr\u00fcmmerhaufen, Kleinod am Burgwaldrand oder trutzige Feste\u2026<\/p>\n<p>Eins ist sicher: Die das D\u00f6rfchen Mellnau \u00fcberragende, weitgehend naturbelassene Burgruine ist wegen ihrer markanten Lage und ihrem m\u00e4chtigen freistehenden Bergfried das Wahrzeichen des Ortes \u2013 und immer einen Besuch wert.<\/p>\n<p>\u201eDie Aussicht von der H\u00f6he dieser Burg (\u2026), dem Mittelpunkte vieler blutiger Fehden in der Vorzeit, ist wenn ein heiterer Himmel den Wanderer beg\u00fcnstigt und die Sonne die in seinem Gesichtskreis liegende Umgebung beleuchtet, h\u00f6chst mannigfaltig und \u00fcberraschend.\u201c<sup class='footnote'><a href='#fn-46-1' id='fnref-46-1' onclick='return fdfootnote_show(46)'>1<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Mellnau selbst liegt malerisch am Fu\u00df der Burg und am Rand des \u201eBurchholzes\u201c, so die alte Bezeichnung f\u00fcr den Burgwald. Der Ort ist damit das s\u00fcdliche Eingangstor zu einem der sch\u00f6nsten und gr\u00f6\u00dften Waldgebiete Deutschlands mit pr\u00e4mierten Wander-Wegen, einer einzigartigen Flora und Fauna sowie herrlichen Aussichten.<\/p>\n<p>Im Jahr 1263 findet die Burg Elenhouch im Friedensvertrag von Langsdorf ihre erste urkundliche Erw\u00e4hnung. Hier einigen sich Landgr\u00e4fin Sophie und ihr Sohn Heinrich von Th\u00fcringen mit dem Mainzer Erzbischof Werner darauf, dass die Burg Mellnau im Besitz der Mainzer Kirche verbleibt; die Eink\u00fcnfte der Vogtei Wetter und alle Nutzungen des Burgwaldes zur H\u00e4lfte dem Landgrafen; zur H\u00e4lfte dem Erzstift Mainz zustehen.<\/p>\n<p>Es findet sich kein konkreterer Hinweis auf den Baubeginn. Die Suche nach Bau- und den ersten Burgherren verl\u00e4uft sich im Dunkel der mittelalterlichen Geschichte von der Entstehung der Landesherrschaften und des anhaltenden Konfliktes zwischen Kaiser und Papst.<\/p>\n<p>Festzuhalten ist, dass die Errichtung der Burg durch die mit der Territorialisierung der geistlichen und weltlichen F\u00fcrstent\u00fcmer bedingten Konflikte begr\u00fcndet ist und dass die Mellnauer Burg bereits in ihren ersten Jahren eine wichtige Rolle spielte.<\/p>\n<p>\u201eAnno 1248 erbaute Erzbischof Siegfried III. von Mainz Burg Elenhouch zur Behauptung seiner Herrschaft in dieser Gegend\u201c, ist auf der Tafel \u00fcber dem alten Eingangstor der Burg zu lesen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich deutet nicht nur der Fund einer in Wetter im Jahre 1248\/ 49 gepr\u00e4gten M\u00fcnze auf die Bauherrschaft des als streitlustigen \u201eK\u00f6nigsmacher\u201c bekannten Kirchenf\u00fcrsten.<\/p>\n<p>Aber ungeachtet der Tatsache, dass unsere Burg einige Jahre \u00e4lter ist und bereits in den Auseinandersetzungen zwischen den hessisch-th\u00fcringischen Landgrafen und den Mainzer Erzbisch\u00f6fen eine bedeutende Rolle spielte, m\u00f6chten wir im Jahr 2013 mit Ihnen feiern.<\/p>\n<p>In den dem Friedensvertrag nachfolgenden Jahren trat die wehrhafte H\u00f6henburg Mellnau als strategischer St\u00fctzpunkt und Zankapfel der jeweiligen Landesherren in Erscheinung. In den Regesten der Mainzer Bisch\u00f6fe und der hessischen Landgrafen wird die Burg mal als trutzige Feste mal als ein Raubritternest beschrieben. Sicher ist, dass unsere Burg eine wechselhafte und abenteuerliche Geschichte erlebte.<\/p>\n<p>In einigen Berichten ist zu lesen, dass die Burg nach und nach in einen Dornr\u00f6schen-Schlaf sank und verfiel. Tats\u00e4chlich aber verf\u00fcgte der Kaiser nach dem von Landgraf Philipp verlorenem Schmalkaldischen Krieg Friedensbedingungen von 1547, dass die Festung zu \u201edemolieren und rasieren\u201c sei.<\/p>\n<p>In den der Schleifung nachfolgenden Jahres verlor die Burg an Bedeutung und nur die urspr\u00fcnglich vom Mainzer Erzbischof f\u00fcr Ritterdienste verliehenen Burglehen wurden weiter vererbt und erinnerten in den jeweiligen Erbvergleichen und Lehensbekundungen f\u00fcr \u201etreue Burgmannendienste\u201c noch an die stolze Vergangenheit.<\/p>\n<p>Die Burg selbst geriet fast in Vergessenheit: \u201eItem das Schloss hei\u00dft nicht Melnaw, Ellnhoch ist sein rechter Name. Es liegt nicht weit von Wetter hat von einer Seite einen fasst hohen Berg, das Schloss ist nun w\u00fcste, hat noch einen h\u00fcbschen Turm, auf die alte Manier gebaut.\u201c<sup class='footnote'><a href='#fn-46-2' id='fnref-46-2' onclick='return fdfootnote_show(46)'>2<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Der letzte bekannte Bewohner der Burg war Otto Jakob Arndt. Der aus Witzenhausen stammende obdachlose Lumpensammler, lebte hier mietfrei mit seiner Familie, h\u00fctete seine wenigen Ziegen und legte im Innern der Burg und um die Burg herum kleine G\u00e4rtchen an.<\/p>\n<p>1858 beschreibt der Mellnauer Schullehrer R\u00f6ser in einem Brief an den Historischen Verein zu Marburg:<\/p>\n<p>\u201eDie Ruine Mellnau liegt auf der Spitze eines vom Burgwald vorgeschobenen einzelnen Berges. Die Ringmauer der Burg umschlie\u00dft einen etliche Fu\u00df hohen runden Turm von Quadersteinen in sich ein. Innerhalb der Ringmauer ist ein sch\u00f6ner Gem\u00fcsegarten mit Obstb\u00e4umen. Hier ist eine \u00fcberaus sch\u00f6ne Aussicht, deshalb auch viel besucht. Fast das ganze Jahr wird der Turm von Turmfalken, Dohlen und Raben bewohnt, weshalb man auch die beiden letzteren in der Umgebung `Mellnauer H\u00fchner\u00b4nennt!\u201c<\/p>\n<p>Mit dieser ersten im Wortsinn romantischen Beschreibung erfuhr die Burg einen bis heute reichenden Bedeutungswandel. Sie wird nicht l\u00e4nger nur w\u00fcst und leer oder als ein Haufen von Quadersteinen und Tr\u00fcmmern wahrgenommen, &#8211; die f\u00fcr den Bau von H\u00e4usern und St\u00e4llen dienen.<\/p>\n<p>Die Burg wird zum Wahrzeichen in der Region; gewinnt als historisch bedeutendes Baudenkmal und wegen ihrer einzigartigen Aussicht Anerkennung.<\/p>\n<p>Mit der Gr\u00fcndung des Heimat- und Verkehrsvereins im Jahre 1957 fanden sich in Mellnau au\u00dfergew\u00f6hnlich engagierte Menschen zusammen, die es sich zur Aufgabe machten, die Burg zu erhalten.<\/p>\n<p>In \u00fcber 50 Jahren andauernder m\u00fchevoller \u2013 und oft an mittelalterliche Frondienste erinnernde &#8211; Handarbeit wurden nach und nach Jahrhunderte lang versch\u00fcttete Grundmauern und Kellergew\u00f6lbe freigelegt, Turm und Mauern gesichert und nach M\u00f6glichkeit instandgesetzt, B\u00e4nke aufgestellt und das Gel\u00e4nde gepflegt.<\/p>\n<p>Seit dem Jahreswechsel 2007\/ 2008 ist die Burgruine wieder \u00fcber den nord\u00f6stlichen Zugang durch die Schildmauer zu betreten. Eine Rampe hinauf und \u00fcber wenige Sandsteinstufen gelangt man am Bergfried vorbei in den Innenhof der Burg \u2013 und kann hier das Panorama genie\u00dfen \u2013 oder im Schatten der Burgmauer in der Kuckucks-H\u00fctte einkehren.<\/p>\n<p>Ebenfalls im gleichen Jahr wurden neue Beleuchtungen installiert, die unsere Burg als weithin sichtbares Wahrzeichen erstrahlen lassen.<\/p>\n<p>Wer abends an der Burg die noch immer dort lebenden Falken einfliegt, genau hinschaut und f\u00fcr unsere Region typische Tiere und Pflanzen entdeckt, wei\u00df dass sich die Anstrengungen lohnen und dass es bisher gelungen und weiterhin wichtige Aufgabe ist, die so oft als wildromantisch beschriebene Atmosph\u00e4re zu erhalten.<\/p>\n<p><em>Autor:\u00a0Peter Engel<\/em><\/p>\n<div class='footnotes' id='footnotes-46'>\n<div class='footnotedivider'><\/div>\n<ol>\n<li id='fn-46-1'> Dr. Karl Wilhelm Justi, Marburg 1838, Die Vorzeit, Die Burg Mellnau in Wetter, in der kurf\u00fcrstlichen Provinz Oberhessen <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-46-1'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-46-2'> Aus einer Chronik nach Nebelthau ZHG 7, S. 330 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-46-2'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Burg \u2013 wildromantisches Gem\u00e4uer, anziehender Tr\u00fcmmerhaufen, Kleinod am Burgwaldrand oder trutzige Feste\u2026 Eins ist sicher: Die das D\u00f6rfchen Mellnau \u00fcberragende, weitgehend naturbelassene Burgruine ist wegen ihrer markanten Lage und ihrem m\u00e4chtigen freistehenden Bergfried das Wahrzeichen des Ortes \u2013 und immer einen Besuch wert. \u201eDie Aussicht von der H\u00f6he dieser Burg (\u2026), dem Mittelpunkte vieler [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-46","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/chronik.mellnau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/chronik.mellnau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/chronik.mellnau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chronik.mellnau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chronik.mellnau.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=46"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/chronik.mellnau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":106,"href":"https:\/\/chronik.mellnau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46\/revisions\/106"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/chronik.mellnau.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=46"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/chronik.mellnau.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=46"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/chronik.mellnau.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=46"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}