{"id":26,"date":"2013-04-07T21:55:37","date_gmt":"2013-04-07T19:55:37","guid":{"rendered":"http:\/\/chronik.mellnau.de\/?p=26"},"modified":"2021-01-17T12:16:55","modified_gmt":"2021-01-17T10:16:55","slug":"und-neues-leben-bluht-aus-den-ruinen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/chronik.mellnau.de\/?p=26","title":{"rendered":"Und neues Leben bl\u00fcht aus den Ruinen"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"initialcap\">U<\/span><br>m die Burg selbst hatte sich seit ihrer Zerst\u00f6rung \u00fcber 100 Jahre lang &#8211; bis um 1700 &#8211; niemand mehr gek\u00fcmmert. Sie war nur noch eine verfallende Ruine, anscheinend ohne Wert und Bedeutung. Was sich an brauchbarem Material &#8211; Holz und Steinen &#8211; noch darin befand, m\u00f6gen die Mellnauer Bauern im Laufe der Zeit f\u00fcr ihren Haus- und Wegebau entfernt und verwandt haben. Das Innere und die Umgebung der Burg war w\u00fcst und unbenutzt. Das sp\u00e4ter versch\u00fcttete Burgverlies unter dem Turm war damals noch offen, und nur die Kellerr\u00e4ume waren noch einigerma\u00dfen erhalten<sup class='footnote'><a href='#fn-26-1' id='fnref-26-1' onclick='return fdfootnote_show(26)'>1<\/a><\/sup>.<\/p>\n<p>In ihnen richtete sich ums Jahr 1700 der Lumpensammler Otto Jakob Arndt, \u201eein armer Mann von Witzenhausen&#8220;, in Ermangelung eines anderen Obdachs h\u00e4uslich ein. \u00dcber 20 Jahre lebte er dort oben mit seiner Familie und machte sogar das Gel\u00e4nde in und um die Burg urbar, wobei er auch auf viele alte Gebeine stie\u00df<sup class='footnote'><a href='#fn-26-2' id='fnref-26-2' onclick='return fdfootnote_show(26)'>2<\/a><\/sup> (der \u00e4u\u00dfere Burggarten war vermutlich der ritterliche Totenhof gewesen). Nachdem er so \u201eviele Jahre zu Mellnau auf der dasigen verw\u00fcsteten Burg gewohnet und daselbst gestorben&#8220;, wurde er am 24. 7. 1728 selber bei der Kirche beerdigt<sup class='footnote'><a href='#fn-26-3' id='fnref-26-3' onclick='return fdfootnote_show(26)'>3<\/a><\/sup>. &#8211; Er mu\u00df ein Gem\u00fctsmensch gewesen sein, dieser Otto Jakob Arndt, denn er machte aus seiner Armut eine Tugend und bewohnte, ohne Miete zu zahlen, einen der herrlichsten Pl\u00e4tze, die diese Erde zu vergeben hat. Damit ging er in die Geschichte der Burg ein. Er war ihr letzter Bewohner und zugleich der K\u00fcnder einer neuen Zeit<sup class='footnote'><a href='#fn-26-4' id='fnref-26-4' onclick='return fdfootnote_show(26)'>4<\/a><\/sup>.<\/p>\n<div id=\"attachment_1734\" style=\"width: 395px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/ditze.net\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Mellnau-um-1838.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1734\" class=\" wp-image-1734 \" alt=\"Mellnau um 1838\" src=\"http:\/\/ditze.net\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Mellnau-um-1838.png\" width=\"385\" height=\"316\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1734\" class=\"wp-caption-text\">Mellnau um 1838<\/p><\/div>\n<p>Denn damit begann &#8212; zun\u00e4chst ganz unbemerkt &#8212; ein v\u00f6llig neuer Abschnitt in der Geschichte der Burg: Sie wurde ein Gegenstand der Kultur: Zun\u00e4chst einfach der landwirtschaftlichen Kultur. Denn die von dem Lumpensammler im Innern der Burg und um die Burg herum angelegten G\u00e4rtchen wurden im Zuge der 1724 erfolgten ersten Landesvermessung in den hiesigen Gemeinden von den vereidigten Landmessern mit vermessen, in die Karten und Kataster eingetragen und sodann als \u201eGn\u00e4digster Herrschaft geh\u00f6rig&#8220; gegen billigen Jahreszins an Mellnauer Einwohner verliehen, die seitdem darin Obstb\u00e4ume pflanzten sowie Gras und Gem\u00fcse zogen. Dabei wurden naturgem\u00e4\u00df jeweils nur die Gartenst\u00fccke, eins in der Burg und eins bei der Burg, in Leihe gegeben, w\u00e4hrend die steinerne Ruine der Burg als mehr oder weniger wertloses Zubeh\u00f6r galt und behandelt wurde, auf dem die Kinder herumkletterten und die V\u00f6gel nisteten.<\/p>\n<p>So konnte denn die \u201eSpezialbeschreibung der Dorfschaft Mellnau Amts Wetter&#8220; von 1384<sup class='footnote'><a href='#fn-26-5' id='fnref-26-5' onclick='return fdfootnote_show(26)'>5<\/a><\/sup> berichten: \u201eHerrschaftliche steuerfreie G\u00fcter &#8211; dergleichen finden sich in und au\u00dferhalb des Dorfs weiter keine, als ein Gn\u00e4digster Herrschaft zustehendes altes zerfallenes Schlo\u00df, wovon die Rudera, welche in Mauren und einem Thurm bestehen, noch vorhanden, der Platz aber zu 7\/16 zu Garten gemacht und allj\u00e4hrlich an hiesige Einwohner f\u00fcr 13 Albus verpachtet wird&#8220;. Damals bestand das Dorf aus 47 H\u00e4usern, au\u00dfer Schulhaus und Kirche (bei der Burg). Als bald darauf der Beisitzer Johannes Noll das Haus Nr. 48 &#8211; unterhalb der heutigen Burggastst\u00e4tte &#8211; erbaute, \u00fcbernahm er die beiden G\u00e4rtchen \u201ebei dem verfallenen Bergschlo\u00df, die Burg genannt&#8220; in dauernde Pacht. Der sp\u00e4tere Besitzer, Johannes Heldmann, \u00fcbernahm sie ab 1831 sogar in Erbleihe (Erbpacht)<sup class='footnote'><a href='#fn-26-6' id='fnref-26-6' onclick='return fdfootnote_show(26)'>6<\/a><\/sup>, gegen Zahlung einer Anerkennungsgeb\u00fchr (\u201eLaudemium&#8220;) von 1 Reichstaler, und sollte alle 9 Jahre einen Leihebrief dar\u00fcber l\u00f6sen; im \u00fcbrigen zahlte er 6 Silbergroschen Erbleihezins j\u00e4hrlich und die gew\u00f6hnlichen Steuern an die \u201eGn\u00e4digste Herrschaft&#8220;. Indessen kaufte er im Juli 1837 beide Burgg\u00e4rten f\u00fcr eine geringe Summe vom Staate zu Eigentum, das nach seinem Tode 1845 auf seine Witwe \u00fcberging<sup class='footnote'><a href='#fn-26-7' id='fnref-26-7' onclick='return fdfootnote_show(26)'>7<\/a><\/sup>. Sie verkaufte 1853 das ganze Anwesen einschlie\u00dflich der beiden Burgg\u00e4rten an die Eheleute Johannes Scherer und Frau aus Ockershausen<sup class='footnote'><a href='#fn-26-8' id='fnref-26-8' onclick='return fdfootnote_show(26)'>8<\/a><\/sup>. Bei alledem war von der Burg selbst gar nicht mehr die Rede, sie wurde von den vermessenen Gartenst\u00fccken mit umfa\u00dft und ging jeweils stillschweigend auf den Erwerber mit \u00fcber, w\u00e4hrend sich der Staat als Nachfolger der \u201eGn\u00e4digsten Herrschaft&#8220; (des Landgrafen) nicht mehr darum k\u00fcmmerte. Nur der umliegende \u201eSchlo\u00dfberg&#8220; wurde etwa 10 Jahre sp\u00e4ter noch als fiskalisches Eigentum neu vermessen und eingetragen<sup class='footnote'><a href='#fn-26-9' id='fnref-26-9' onclick='return fdfootnote_show(26)'>9<\/a><\/sup>.<\/p>\n<p>Einen sch\u00f6nen Eindruck von dem damaligen Zustand vermittelt der Bericht des Mellnauer Schullehrers R\u00f6ser vom Jahre 1858 an den Historischen Verein zu Marburg:<sup class='footnote'><a href='#fn-26-10' id='fnref-26-10' onclick='return fdfootnote_show(26)'>10<\/a><\/sup> \u201eDie Ruine Mellnau liegt auf der Spitze eines vom Burgwald vorgeschobenen einzelnen Berges. Die Ringmauer der Burg umschlie\u00dft einen etliche Fu\u00df hohen runden Turm von Quadersteinen in sich ein. Innerhalb der Ringmauer ist ein sch\u00f6ner Gem\u00fcsegarten mit Obstb\u00e4umen. Hier ist eine \u00fcberaus sch\u00f6ne Aussicht, deshalb auch viel besucht. Fast das ganze Jahr wird der Turm von Turmfalken, Dohlen und Raben bewohnt, weshalb man auch die beiden letzteren in der Umgegend \u201eMellnauer H\u00fchner&#8220; nennt&#8220;.<\/p>\n<p>Um diese Zeit \u2014 es war das Jahrhundert der Romantik \u2014 erinnerte sich der junge Baron Louis Milchling von und zu Sch\u00f6nstadt (1841-1896), Sohn des gleichnamigen hessischen Forstjunkers daselbst und einziger m\u00e4nnlicher Nachkomme seines Geschlechts, der Burg, auf der einst seine Ahnen \u201eals Burgmannen die Rechte der erzbisch\u00f6flichen Kirche gegen die hessischen Landgrafen verteidigt hatten&#8220;<sup class='footnote'><a href='#fn-26-11' id='fnref-26-11' onclick='return fdfootnote_show(26)'>11<\/a><\/sup>. Inzwischen hatten historische Schriftsteller wie Justi und Landau die wichtigsten Daten aus der Geschichte der Burg zusammengetragen und ihr bemerkenswerte Abschnitte in ihren Werken gewidmet. Der Baron erkundigte sich deshalb nach den Besitzverh\u00e4ltnissen und kaufte kurz nach seiner Hochzeit am 20. Mai 1865 der Witwe des Johannes Scherer die beiden \u201eG\u00e4rten bei dem verfallenen Bergschlo\u00df, die Burg genannt&#8220;, f\u00fcr 150 Taler ab und tilgte die Kaufschuld im Laufe der n\u00e4chsten 10 Jahre<sup class='footnote'><a href='#fn-26-12' id='fnref-26-12' onclick='return fdfootnote_show(26)'>12<\/a><\/sup>. Da die vermessenen Parzellen zugleich die Burg selbst umfa\u00dften, war er seitdem auch Eigent\u00fcmer der Burg.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/ditze.net\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Die-Burg-Mellnau-um-1896.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-1737\" alt=\"Die Burg Mellnau um 1896\" src=\"http:\/\/ditze.net\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Die-Burg-Mellnau-um-1896.jpg\" width=\"499\" height=\"530\" \/><\/a><\/p>\n<p>Und damit begann &#8211; wiederum kaum bemerkt &#8211; der letzte Abschnitt in der Entwicklung der Burg: Sie wurde ein Gegenstand unserer geschichtlichen Kultur! Auch nachdem der Baron Louis Milchling von Sch\u00f6nstadt im Jahre 1890 das Erbgut seiner V\u00e4ter zu Sch\u00f6nstadt an den Bankherren Lucius aus Frankfurt verkaufte und mit seiner Familie auf das ererbte Weingut seiner Frau bei Leimen in Baden verzog, blieb er Besitzer der \u201eBurgruine Mellnau&#8220; und als solcher Mitglied der Vereinigung der Althessischen Ritterschaft<sup class='footnote'><a href='#fn-26-13' id='fnref-26-13' onclick='return fdfootnote_show(26)'>13<\/a><\/sup>. Als solche kamen er und seine 3 S\u00f6hne, von denen 2 dann preu\u00dfische Offiziere wurden, bis zum ersten Weltkrieg auch noch wiederholt auf das Gut ihrer V\u00e4ter zur\u00fcck und pflegten dann mit einem 6sp\u00e4nnigen Wagen auf der historischen Landstra\u00dfe von Sch\u00f6nstadt \u00fcber Oberrosphe nach Mellnau auf die Burg zu fahren, wo sie die Sch\u00f6nheit des Ortes ebenso wie die Erinnerung an die Zeit ihrer ritterlichen Ahnen genossen. Es war ein Schauspiel wie vor Jahrhunderten f\u00fcr die Bewohner der benachbarten D\u00f6rfer, wovon die \u00e4lteren Einwohner noch heute gern erz\u00e4hlen, und es rief die einstige Bedeutung der St\u00e4tte wieder in das Ged\u00e4chtnis zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Indessen starben 2 S\u00f6hne des Barons schon vor dem ersten Weltkrieg, und am Ende des Krieges kehrte der dritte, der preu\u00dfische Oberst Georg Dietrich Milchling von Sch\u00f6nstadt, als letzter Erbe seines Geschlechts offenbar verarmt zur\u00fcck. Am 21. 7. 1920 verkaufte er deshalb \u201esein Grundverm\u00f6gen in Mellnau, wozu auch die Burg geh\u00f6rt&#8220;, f\u00fcr 10 000 Mark an den k\u00f6niglich-preu\u00dfischen Rittmeister und Kammerherrn Rudolf Schutzbar-Milchling zu Hohenhaus bei Eschwege<sup class='footnote'><a href='#fn-26-14' id='fnref-26-14' onclick='return fdfootnote_show(26)'>14<\/a><\/sup>, den Erben eines anderen althessischen Rittergeschlechts, und f\u00fcr diesen wurde das Eigentum am 23. 11. 1920 eingetragen<sup class='footnote'><a href='#fn-26-15' id='fnref-26-15' onclick='return fdfootnote_show(26)'>15<\/a><\/sup>. Die Schutzbar-Milchling waren zwar ein \u201estammverwandtes&#8220;, aber doch seit 700 Jahren ganz anderes Geschlecht. Der gemeinsame Stammvater lebte um 1250; er starb, als die Burg Mellnau noch kaum erbaut war. Und der gemeinsame Beiname \u201eMilchling&#8220; stammte damals nur von einem gemeinsamen Onkel, dem Ritter Konrad Milchling von Nordeck, der ein Vork\u00e4mpfer der th\u00fcringisch-hessischen Landgrafen gegen die Erzbisch\u00f6fe von Mainz gewesen war. Vielleicht lag dem jetzigen Erwerb der Burg Mellnau durch die Schutzbar-Milchlinge die irrige Annahme zugrunde, da\u00df ihre Vorfahren im Mittelalter ebenfalls als Burgmannen auf Schlo\u00df Elnhog gedient h\u00e4tten. In Wirklichkeit waren sie nie dort gewesen; sie standen vielmehr fast immer nur in hessischen Diensten. Und auch der einzige Mellnauer Burgmann dieses Namens, der Ritter Dietrich Schutzbar von Michelbach (1271-1299), war ein Bruder des ersten Konrad Milchling von Michelbach bzw. Sch\u00f6nstadt, er trug den Beinamen Schutzbar nur als Patennamen. Seitdem hatten beide Geschlechter kaum noch etwas miteinander gemein gehabt. \u2014 Als der Kammerherr Rudolf Schutzbar-Milchling 1935 starb, hatte er seinen Besitz an der Burg Mellnau, der kaum bekannt geworden war, auch in seinem Testament gar nicht erw\u00e4hnt. So kam es, da\u00df danach nicht einmal seine Erben (die noch in Kassel leben) von ihrem Eigentum an der Burg etwas wu\u00dften. \u2014 Am 6. 9. 1937 verschied auch der Baron Dietrich Milchling von Sch\u00f6nstadt und wurde in dem Erbbegr\u00e4bnis seiner Familie im Wald bei Sch\u00f6nstadt feierlich bestattet. Mit ihm starb der letzte m\u00e4nnliche Nachkomme eines alten Mellnauer Burgmannengeschlechts, nachdem insbesondere die von Fleckenb\u00fchl bereits 1796 im Mannesstamm ausgestorben war.<\/p>\n<p>So war nun die Burg nicht nur bei ihren alten Oberherren, den Erzbisch\u00f6fen und den Landgrafen, sondern auch bei ihren neuen Eigent\u00fcmern fast in Vergessenheit geraten. Um so bekanter war sie allen hessischen Geschichts- und Wanderfreunden, die sich seit Jahrzehnten bem\u00fchten, ihrem langsamen Verfall Einhalt zu tun und die Ruine als historisches Denkmal wie als hervorragenden Zielpunkt in der Landschaft zu erhalten. Aus diesem Grunde hatte schon vor 30 Jahren zun\u00e4chst der Hessisch-Waldeckische Gebirgsverein die Burgst\u00e4tte gepachtet; jedoch f\u00fchrten seine damaligen Bestrebungen zu keinem Erfolg, so da\u00df ihr Schicksal besiegelt schien<sup class='footnote'><a href='#fn-26-16' id='fnref-26-16' onclick='return fdfootnote_show(26)'>16<\/a><\/sup>.<\/p>\n<p>Da nahmen sich endlich die Bewohner des Dorfes Mellnau selbst ihrer ehrw\u00fcrdigen, verfallenden Burgruine an, und zwar die Nachkommen der alten einheimischen Bauernfamilien ebenso wie die tatkr\u00e4ftigen Neub\u00fcrger des Ortes aus dem deutschen Osten. Im Jahre 1957 gr\u00fcndeten sie einen \u201eHeimat- und Verkehrsverein&#8220;, der es unternahm, die beinah unzug\u00e4nglich gewordene Ruine als historisch bedeutsames Baudenkmal mit allen Mitteln zu erhalten und zugleich f\u00fcr die Gegenwart lebendig auszugestalten<sup class='footnote'><a href='#fn-26-17' id='fnref-26-17' onclick='return fdfootnote_show(26)'>17<\/a><\/sup>. Von einem frischen heimatgeschichtlichen Geist beseelt und f\u00fcr die heutige Wirklichkeit aufgeschlossen, gingen sie mutig wie die alten Ritter ans Werk: Die einen machten die letzten bekannten Eigent\u00fcmer und ihre Erben ausfindig und schlossen mit ihnen gegen geringe Verg\u00fctung einen langj\u00e4hrigen Pachtvertrag (jetzt wieder weniger \u00fcber die G\u00e4rten als \u00fcber die historische St\u00e4tte!), der es ihnen erm\u00f6glichte, die Ruine rechtm\u00e4\u00dfig in Besitz zu nehmen. Zugleich warben sie bei Beh\u00f6rden und \u00f6ffentlichen Stellen bis weit \u00fcber die Grenzen des Landes hinaus, f\u00fcr ein neues Interesse an der Burg und f\u00fcr ihren Versuch, sie zu einer St\u00e4tte der Besinnung und Erholung zu machen. Die andern begannen sogleich, im Wege der Selbsthilfe im Innern des w\u00fcsten Burghofes aufzur\u00e4umen und zu graben, um dort das Alte wieder freizulegen und Neues zu gestalten. In einem ersten Bauabschnitt im Jahre 1958 legten sie jahrhundertelang versch\u00fcttete Grundmauern der ehemaligen Burggeb\u00e4ude frei, gruben das Kellergew\u00f6lbe wieder aus, das noch der Lumpensammler vor 250 Jahren bewohnt hatte, statteten den Burghof im \u00fcbrigen mit g\u00e4rtnerischen Anlagen und Ruhepl\u00e4tzen aus und gestalteten vor dem gewaltigen Turm eine Naturb\u00fchne&#8220;<sup class='footnote'><a href='#fn-26-18' id='fnref-26-18' onclick='return fdfootnote_show(26)'>18<\/a><\/sup>, auf der zum Abschlu\u00df dieser Arbeiten am 21.\/22. 6. 1958 ein eindrucksvolles Heimatfest der ganzen Bev\u00f6lkerung begangen werden konnte. Im Mittelpunkt standen die Auff\u00fchrungen eines Festspiels \u201eBurg des Friedens&#8220; durch eine \u00f6rtliche Laienspielgruppe, Darbietungen des \u00f6rtlichen Gesangvereins und einer Volkstanzgruppe von rheinischen G\u00e4sten, ein abendlicher Fackelzug vom \u201eUnterdorf&#8220; zur Burg sowie ein n\u00e4chtliches Feuerwerk. Die Absicht, das Interesse einer weiteren \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr die Pl\u00e4ne zu wecken, gelang um so mehr, als dabei erstmals auch wieder ein Vertreter des Staates, der sich seit \u00fcber 100 Jahren nicht mehr darum gek\u00fcmmert hatte, der hessische Innenminister Heinrich Schneider, in der Burg anwesend war und Unterst\u00fctzung versprach<sup class='footnote'><a href='#fn-26-19' id='fnref-26-19' onclick='return fdfootnote_show(26)'>19<\/a><\/sup>.<\/p>\n<p>Nach l\u00e4ngeren Bem\u00fchungen konnten mit staatlicher und kommunaler Hilfe 1961 die Herstellungsarbeiten fortgesetzt werden. Diesmal wurden unter Heranziehung von \u00f6rtlichen Fachkr\u00e4ften vor allem die besch\u00e4digten, \u00fcber 2 m dicken Au\u00dfenmauern instandgesetzt, befestigt und teilweise neu hochgezogen. Gleichzeitig stiftete ein Mellnauer B\u00fcrger eine Scheinwerferanlage, die es erm\u00f6glicht, durch abendliche Beleuchtung das Bild der Burg auch im Dunkeln weit \u00fcber das Land hinaus zu strahlen. Auch diese Arbeiten wurden mit einem kleinen Richtfest abgeschlossen, bei dem &#8211; als Nachfolger der ehemaligen Amtm\u00e4nner von Mellnau &#8211; der Marburger Landrat Eckel anwesend war, der als Freund der Burg ihre Erneuerung nicht weniger f\u00f6rdert<sup class='footnote'><a href='#fn-26-20' id='fnref-26-20' onclick='return fdfootnote_show(26)'>20<\/a><\/sup>.<\/p>\n<p>In einem weiteren Bauabschnitt soll nunmehr im Jahre 1963, mit Hilfe zahlreicher Spenden von vielen Seiten, auch der alte Bergfried mit seinem 3-4 m starken und 15 m hohen Gem\u00e4uer wiederhergestellt, gesichert und als Aussichtsturm besteigbar gemacht werden. Diese Bem\u00fchungen um die Erhaltung und Versch\u00f6nerung der alten Feste Elnhog werden erg\u00e4nzt durch die Beteiligung der ganzen Gemeinde an dem \u00f6ffentlichen Wettbewerb \u201eUnser Dorf soll sch\u00f6ner werden&#8220;, aus dem sie &#8211; nicht zuletzt dank der unvergleichlichen Lage des Ortes an dem Berge, den die Burgruine kr\u00f6nt, &#8211; bereits wiederholt als Sieger hervorging. Nunmehr sollen diese Arbeiten abgeschlossen werden mit dem Jubil\u00e4umsfest von 22.\/24. 6. 1963, 700 Jahre nach der ersten urkundlichen Nennung der \u201eBurg Elenhouch&#8220;, das den Namen dieser einmaligen St\u00e4tte noch weiter \u00fcber die Grenzen des Hessenlandes hinaustragen wird<sup class='footnote'><a href='#fn-26-21' id='fnref-26-21' onclick='return fdfootnote_show(26)'>21<\/a><\/sup>.<\/p>\n<p>Die Kr\u00f6nung des Gesamtwerkes aber mag schlie\u00dflich die geplante Schaffung des Naturschutzgebietes Burgwald sein, dessen Mittelpunkt eben wieder die Burg Mellnau ist, deren Geschichte durch die Jahrhunderte nachzusp\u00fcren dem Verfasser eine Freude war<sup class='footnote'><a href='#fn-26-22' id='fnref-26-22' onclick='return fdfootnote_show(26)'>22<\/a><\/sup>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class='footnotes' id='footnotes-26'>\n<div class='footnotedivider'><\/div>\n<ol>\n<li id='fn-26-1'> Landau, G., Ritterburgen 4, S. 176. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-26-1'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-26-2'> Landau, G., a. a. O.; Sangmeister, E., a. a. O., S. 27. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-26-2'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-26-3'> Eintragung im Totenregister des reformierten Kirchenbuches v. M\u00fcnch\u00achausen. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-26-3'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-26-4'> Die Annahme v. Sangmeister, E., a. a. O., S. 28, die bekannte \u201eLumpenbuche&#8220; im Burgwald &#8211; mitten zw. Wetter und Rosenthal &#8211; sei nach ihm benannt, beruht auf einer Verwechslung: Sie ist erst 200 Jahre alt &#8211; Ausk. v. Obf. Schmidt, Oberrosphe &#8211; und hei\u00dft nicht nach jenem harmlosen Manne, sondern nach der \u201eLumpensammler-Bande&#8220;, die 100 Jahre sp\u00e4ter, von 1806-1812, die D\u00f6rfer d. Burgwaldes unsicher machte; vgl. v. Hanstein, Anklageurkunde gegen die Lumpensammler\u00acBande usw., gedruckt Marburg 1813 (in StAM), Bettenh\u00e4user, R\u00e4uber- u. Gaunerbanden in Hessen, in Hessenland-Beil. d. OP 1962, F. 5. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-26-4'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-26-5'> Lager-; St\u00fcck- und Steuerbuch, in StAM, Bd. 1, dazu Bd. 3, Fol. 720, und Flurkarte Mellnau v. 1724, T. A., Nr. 17\/18. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-26-5'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-26-6'> Lagerbuch, a. a. O., Bd. 3, Fol. 690; Gen. W\u00e4hrschafts- u. Hypothekenbuch v. Mellnau, Bd. 1, Bl. 130. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-26-6'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-26-7'> Lagerbuch, Bd. 3, Fol. 721; W\u00e4hrschaftsb. Bd. 1, BL 130. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-26-7'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-26-8'> Lagerbuch, Bd. 3, Fol. 690; Gen. W\u00e4hrschaftsb. Bd. 2, Bl. 136. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-26-8'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-26-9'> Lagerbuch, Bd. 1, Bl. lla. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-26-9'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-26-10'> StAM, H 3, Nr. 76 (Amt Wetter). <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-26-10'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-26-11'> Sch\u00e4fer, K. H., Ortschaften, S. 27; danach Aufschrift auf der jetzt in d. Burg aufgeh\u00e4ngten Wappentafel. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-26-11'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-26-12'> Lagerbuch, Bd. 3, Bl. 756; Gen. W\u00e4hrschaftsbuch, Bd. 1, Bl. 136 u. Bd. 3, Bl. 91; 1890 umgeschr. n. Grundbuch v. Melln. Art. 152 (als &#8222;Hofraum u. Garten&#8220;, Parz. 135-139. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-26-12'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-26-13'> V. Dachenhausen, Genealogisches Handbuch d. Uradels, Bd. 2, 1893, S. 392; u. Jahrb. d. dtsch. Adels, Bd. 3, 1899, S. 274. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-26-13'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-26-14'> Grundakten Art. 152 (geschl.) v. Mellnau, Bl. 1, 36 ff., 44. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-26-14'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-26-15'> Umgeschr. nach Grundb. Bl. 333 v. Mellnau, Nr. 1. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-26-15'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-26-16'> Vgl. Hopf, W., Deutscher Burgenkalender 1934, S. 14 u. 37. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-26-16'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-26-17'> Ohne vollst\u00e4ndig zu sein, seien hier die Namen seiner Gr\u00fcnder und langj\u00e4hrigen f\u00fchrenden Mitglieder festgehalten: Lehrer Manfred Isenberg, 1. Vorsitzender; Max Tittel, Inhaber d. Burg-Gastst\u00e4tte, 2. Vorsitzender; Horst Ruffert u. Stephan Bo\u00dfhammer, Schriftf\u00fchrer; Heinrich Belzer u. Karl Klingelh\u00f6fer, Kassierer; alle zu Mellnau. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-26-17'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-26-18'> Als tatkr\u00e4ftige Mithelfer dabei werden genannt: Heinrich Muth, Heinrich Busch, Erwin Nickel u. Heinrich Klingelh\u00f6fer, alle zu Mellnau. &#8211; Vgl. auch Eckhardt, W. A., in Hist. St\u00e4tten, Bd. 4, S. 301. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-26-18'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-26-19'> Vgl. die Berichte in d. Oberh. Presse (OP) v. 3. 4. 1958 (Nr. 79, 5.19), v. 20. 6. 1958 (Nr. 139, S. 5), u. v. 23. 6. 1958 (Nr. 141, s. 8), mit Zeichnungen und Aufnahmen von O. Brinckmann. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-26-19'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-26-20'> Vgl. die Berichte in d. OP v. 15. 7. und 4. 9. 1960, v. 24. 1., 15. 7. und 4.10. 1961, mit Aufnahmen v. Eifert. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-26-20'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-26-21'> Vgl. Berichte d. OP v. 7.2. 1962, mit Zeichnungen von O. Brinckmann. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-26-21'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-26-22'> Denn der Verfasser wurde eben vor 50 Jahren im Anblick der Burg Mellnau geboren und hat seitdem viele Stunden seiner Jugend und seiner reifen Jahre hier verbracht, wenn er auch \u201ekein Kuckuck&#8220; ist. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-26-22'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die Burg selbst hatte sich seit ihrer Zerst\u00f6rung \u00fcber 100 Jahre lang &#8211; bis um 1700 &#8211; niemand mehr gek\u00fcmmert. Sie war nur noch eine verfallende Ruine, anscheinend ohne Wert und Bedeutung. Was sich an brauchbarem Material &#8211; Holz und Steinen &#8211; noch darin befand, m\u00f6gen die Mellnauer Bauern im Laufe der Zeit f\u00fcr [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-26","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/chronik.mellnau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/chronik.mellnau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/chronik.mellnau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chronik.mellnau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/chronik.mellnau.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/chronik.mellnau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":108,"href":"https:\/\/chronik.mellnau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26\/revisions\/108"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/chronik.mellnau.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/chronik.mellnau.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/chronik.mellnau.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}