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nsere Burg – wildromantisches Gemäuer, anziehender Trümmerhaufen, Kleinod am Burgwaldrand oder trutzige Feste…

Eins ist sicher: Die das Dörfchen Mellnau überragende, weitgehend naturbelassene Burgruine ist wegen ihrer markanten Lage und ihrem mächtigen freistehenden Bergfried das Wahrzeichen des Ortes – und immer einen Besuch wert.

„Die Aussicht von der Höhe dieser Burg (…), dem Mittelpunkte vieler blutiger Fehden in der Vorzeit, ist wenn ein heiterer Himmel den Wanderer begünstigt und die Sonne die in seinem Gesichtskreis liegende Umgebung beleuchtet, höchst mannigfaltig und überraschend.“1

Mellnau selbst liegt malerisch am Fuß der Burg und am Rand des „Burchholzes“, so die alte Bezeichnung für den Burgwald. Der Ort ist damit das südliche Eingangstor zu einem der schönsten und größten Waldgebiete Deutschlands mit prämierten Wander-Wegen, einer einzigartigen Flora und Fauna sowie herrlichen Aussichten.

Im Jahr 1263 findet die Burg Elenhouch im Friedensvertrag von Langsdorf ihre erste urkundliche Erwähnung. Hier einigen sich Landgräfin Sophie und ihr Sohn Heinrich von Thüringen mit dem Mainzer Erzbischof Werner darauf, dass die Burg Mellnau im Besitz der Mainzer Kirche verbleibt; die Einkünfte der Vogtei Wetter und alle Nutzungen des Burgwaldes zur Hälfte dem Landgrafen; zur Hälfte dem Erzstift Mainz zustehen.

Es findet sich kein konkreterer Hinweis auf den Baubeginn. Die Suche nach Bau- und den ersten Burgherren verläuft sich im Dunkel der mittelalterlichen Geschichte von der Entstehung der Landesherrschaften und des anhaltenden Konfliktes zwischen Kaiser und Papst.

Festzuhalten ist, dass die Errichtung der Burg durch die mit der Territorialisierung der geistlichen und weltlichen Fürstentümer bedingten Konflikte begründet ist und dass die Mellnauer Burg bereits in ihren ersten Jahren eine wichtige Rolle spielte.

„Anno 1248 erbaute Erzbischof Siegfried III. von Mainz Burg Elenhouch zur Behauptung seiner Herrschaft in dieser Gegend“, ist auf der Tafel über dem alten Eingangstor der Burg zu lesen.

Tatsächlich deutet nicht nur der Fund einer in Wetter im Jahre 1248/ 49 geprägten Münze auf die Bauherrschaft des als streitlustigen „Königsmacher“ bekannten Kirchenfürsten.

Aber ungeachtet der Tatsache, dass unsere Burg einige Jahre älter ist und bereits in den Auseinandersetzungen zwischen den hessisch-thüringischen Landgrafen und den Mainzer Erzbischöfen eine bedeutende Rolle spielte, möchten wir im Jahr 2013 mit Ihnen feiern.

In den dem Friedensvertrag nachfolgenden Jahren trat die wehrhafte Höhenburg Mellnau als strategischer Stützpunkt und Zankapfel der jeweiligen Landesherren in Erscheinung. In den Regesten der Mainzer Bischöfe und der hessischen Landgrafen wird die Burg mal als trutzige Feste mal als ein Raubritternest beschrieben. Sicher ist, dass unsere Burg eine wechselhafte und abenteuerliche Geschichte erlebte.

In einigen Berichten ist zu lesen, dass die Burg nach und nach in einen Dornröschen-Schlaf sank und verfiel. Tatsächlich aber verfügte der Kaiser nach dem von Landgraf Philipp verlorenem Schmalkaldischen Krieg Friedensbedingungen von 1547, dass die Festung zu „demolieren und rasieren“ sei.

In den der Schleifung nachfolgenden Jahres verlor die Burg an Bedeutung und nur die ursprünglich vom Mainzer Erzbischof für Ritterdienste verliehenen Burglehen wurden weiter vererbt und erinnerten in den jeweiligen Erbvergleichen und Lehensbekundungen für „treue Burgmannendienste“ noch an die stolze Vergangenheit.

Die Burg selbst geriet fast in Vergessenheit: „Item das Schloss heißt nicht Melnaw, Ellnhoch ist sein rechter Name. Es liegt nicht weit von Wetter hat von einer Seite einen fasst hohen Berg, das Schloss ist nun wüste, hat noch einen hübschen Turm, auf die alte Manier gebaut.“2

Der letzte bekannte Bewohner der Burg war Otto Jakob Arndt. Der aus Witzenhausen stammende obdachlose Lumpensammler, lebte hier mietfrei mit seiner Familie, hütete seine wenigen Ziegen und legte im Innern der Burg und um die Burg herum kleine Gärtchen an.

1858 beschreibt der Mellnauer Schullehrer Röser in einem Brief an den Historischen Verein zu Marburg:

„Die Ruine Mellnau liegt auf der Spitze eines vom Burgwald vorgeschobenen einzelnen Berges. Die Ringmauer der Burg umschließt einen etliche Fuß hohen runden Turm von Quadersteinen in sich ein. Innerhalb der Ringmauer ist ein schöner Gemüsegarten mit Obstbäumen. Hier ist eine überaus schöne Aussicht, deshalb auch viel besucht. Fast das ganze Jahr wird der Turm von Turmfalken, Dohlen und Raben bewohnt, weshalb man auch die beiden letzteren in der Umgebung `Mellnauer Hühner´nennt!“

Mit dieser ersten im Wortsinn romantischen Beschreibung erfuhr die Burg einen bis heute reichenden Bedeutungswandel. Sie wird nicht länger nur wüst und leer oder als ein Haufen von Quadersteinen und Trümmern wahrgenommen, – die für den Bau von Häusern und Ställen dienen.

Die Burg wird zum Wahrzeichen in der Region; gewinnt als historisch bedeutendes Baudenkmal und wegen ihrer einzigartigen Aussicht Anerkennung.

Mit der Gründung des Heimat- und Verkehrsvereins im Jahre 1957 fanden sich in Mellnau außergewöhnlich engagierte Menschen zusammen, die es sich zur Aufgabe machten, die Burg zu erhalten.

In über 50 Jahren andauernder mühevoller – und oft an mittelalterliche Frondienste erinnernde – Handarbeit wurden nach und nach Jahrhunderte lang verschüttete Grundmauern und Kellergewölbe freigelegt, Turm und Mauern gesichert und nach Möglichkeit instandgesetzt, Bänke aufgestellt und das Gelände gepflegt.

Seit dem Jahreswechsel 2007/ 2008 ist die Burgruine wieder über den nordöstlichen Zugang durch die Schildmauer zu betreten. Eine Rampe hinauf und über wenige Sandsteinstufen gelangt man am Bergfried vorbei in den Innenhof der Burg – und kann hier das Panorama genießen – oder im Schatten der Burgmauer in der Kuckucks-Hütte einkehren.

Ebenfalls im gleichen Jahr wurden neue Beleuchtungen installiert, die unsere Burg als weithin sichtbares Wahrzeichen erstrahlen lassen.

Wer abends an der Burg die noch immer dort lebenden Falken einfliegt, genau hinschaut und für unsere Region typische Tiere und Pflanzen entdeckt, weiß dass sich die Anstrengungen lohnen und dass es bisher gelungen und weiterhin wichtige Aufgabe ist, die so oft als wildromantisch beschriebene Atmosphäre zu erhalten.

Autor: Peter Engel

  1. Dr. Karl Wilhelm Justi, Marburg 1838, Die Vorzeit, Die Burg Mellnau in Wetter, in der kurfürstlichen Provinz Oberhessen
  2. Aus einer Chronik nach Nebelthau ZHG 7, S. 330
Etwas kundtun