V
or etwa 1000 Jahren, also um das Jahr 1000 nach Christi Geburt, war die Stadt Wetter der kulturelle, wirtschaftliche und zugleich landschaftliche Mittelpunkt des ganzen Gebietes, das heute von den Kreisen Marburg und Frankenberg umfaßt wird1. Marburg und Frankenberg gab es damals noch nicht, ebenso wenig wie alle die andern Städte und Städtchen ringsum. Nur Amöneburg lag – mit einem Kloster und einer kleinen Bergsiedlung – schon am Rande des Ohmtales, war aber wirtschaftlich wenig bedeutend.

Dieses Gebiet unterstand damals vielen Herrschaften. Ein großer Teil davon gehörte indessen unmittelbar dem deutschen König, und das könig­liche Gut wurde von den Grafen Giso verwaltet, die auf der Burg Hohenlinde (Hollende) bei Warzenbach westlich von Wetter saßen. Zu dem Königsgut gehörte insbesondere der königliche Hof in Wetter und der gesamte Burg­wald und Wollenberg2,der seit Karl d. Gr, um 800 n. Chr. ein königlicher Reichsforst und damals noch ungeteilt war.

Um das Jahr 1015 etwa wurde von den schottischen Köngiskindern Al­mudis und Digmudis in dem Königshof zu Wetter ein weltliches Frauenkloster, ein sog. „Stift“, gegründet3 (ähnlich wie gleichzeitig in Oberkaufungen bei Kassel), in dem hauptsächlich ledige Töchter des Adels der Umgebung auf Lebenszeit Aufnahme fanden. Diesem Kloster überließ der fromme Kaiser Heinrich II. neben dem Wollenberg bei Wetter die ganze westliche Hälfte des Burgwaldes zur dauernden Nutzung und Unterhaltung4, während er die östliche Hälfte gleichzeitig zusammen mit dem Königshof in Wohra als Mittel­punkt dem Kloster Fulda übertrug. Schirmherren des neuen Klosters in Wetter wurden wiederum die Grafen Giso auf Hollende, die das Stift und den dazu­gehörigen Burgwald als Vögte des Königs schützten und verwalteten5.

Etwa 50 Jahre später, um das Jahr 1070 n. Chr.6, schenkte der jugendliche Kaiser Heinrich IV., als er in politischer Bedrängnis war, den Königshof samt dem Stift in Wetter und mit ihm den ganzen westlichen Burgwald dem klugen Erzbischof Siegfried von Mainz, und die Grafen Giso verwalteten bei¬des nunmehr als dessen Vögte und Lehnsleute weiter. Wieder 50 Jahre danach, im Jahre 1122, starben sie aber im Mannesstamm aus, und ihre Erben wurden – durch die Heirat der letzten Gisonentochter – die Landgrafen von Thüringen, die nunmehr insoweit ebenfalls Lehnsleute des Erzbischofs von Mainz wurden7). Zur Verwaltung des ferne gelegenen Stifts Wetter und des Burgwaldes setzten sie indessen Untervögte ein. Einer der ersten war Graf Boppo von Hollende und Reichenbach (um 1140-1170), später war es ein Vogt Heinrich von Wetter (um 1210-1220). Damals hatte das Stift Wetter bereits in dem Raum zwischen Waldeck und dem Ebsdorfer Grund, z. T, auch in Niederhessen, zahlreiche Güter und Höfe zu eigen, die an Herren und Ritter der Umgegend als Mannlehen ausgeliehen waren, darunter auch 6 Höfe in dem alten Dorf Kene am Oberlauf des Steddebaches, östlich von Wetter und Todenhausen,am Burgwaldrand8).

In den Jahren zwischen 1230 und 1240 strebten die thüringischen Land­grafen nachdrücklich dahin, ihre Macht in Hessen auszudehnen und vor allem die ihnen unbequeme Oberherrschaft des Erzbischofs von Mainz abzuschütteln. Nachdem soeben die junge verwitwete Landgräfin Elisabeth, die spätere hei­lige Elisabeth, in Marburg verstorben und begraben worden war, zerstörten sie 1232 die mainzische Stadt Fritzlar, gründeten dafür 1233/34 die Burg und Stadt Frankenberg am Nordrand des Burgwaldes und befestigten und ver­stärkten zugleich ihre Jahrzehnte zuvor gegründete Burg und Stadt Mar­burg9.Um 1238/39 riß dann der Sohn der heiligen Elisabeth„ der jugend­liche Landgraf Hermann von Thüringen, auch die Stadt Wetter mit Gewalt an sich und schaltete damit zugleich den Erzbischof von Mainz, wie die mit ihm verbündeten Grafen von Battenberg aus der Verwaltung des Stifts und des Burgwalds aus10. Jedoch starb Landgraf Hermann schon 3 Jahre später, und bald danach starben die Landgrafen von Thüringen im Mannesstamm ganz aus11. In den darauf folgenden Wirren um die Erbschaft konnte sich der Erz­bischof Siegfried von Mainz des Burgwalds wie der Stadt und des Stifts Wetter zunächst wieder bemächtigen. Auf Hollende saßen seine Anhänger, ebenso wie auf den meisten anderen Burgen der Umgegend.

Im Frühjahr 1248 kam dann die Schwester des verstorbenen Landgrafen Hermann und Tochter der heiligen Elisabeth, die eben verwitwete Herzogin Sophie von Brabant, mit ihrem 4jährigen Söhnchen Heinrich nach Marburg und bemühte sich, Landgräfin von Hessen zu werden12. Dazu verband sie sich mit dem Deutschen Ritter-Orden, der in Marburg eine Hauptniederlassung – das „Deutsche Haus“ – gegründet hatte und das Grab, die Grabkirche sowie das hinterlassene Vermögen der heiligen Elisabeth in und um Marburg verwal­tete. Außerdem scharten sich um sie eine Anzahl von Rittern der Umgebung, die schon zuvor im Sold der thüringischen Landgrafen auf deren Burgen ge­dient hatten, so außer denen auf Schloß Marburg selbst die Schenken von Schweinsberg, die Herren von Nordeck, von Dernbach und andere. Ihnen ge­genüber standen diejenigen Ritter und Adligen im Lande, die auf den ehemals königlichen und jetzt erzbischöflichen Burgen und Schlössern saßen und die daher dem Erzbischof als ihrem alten Herrn treu und ergeben waren. Sie lehn­ten es ab, der aus Brabant herübergekommenen und bisher ganz fremden Herzogin als neuer Landgräfin zu huldigen. Die Herzogin Sophie war aber im Gegensatz zu ihrer Mutter eine resolute und kriegerische Frau13. Sie stellte deshalb schon bald nach ihrer Ankunft eine Schar von wohlgerüsteten, schwerbewaffneten Rittern und Reisigen zusammen und ließ – nachdem so­eben der alte Erzbischof Siegfried gestorben war und sie sich durch fromme Taten inzwischen die Gunst des Papstes erworben hatte14 – im Frühsommer 1249 in einem Blitzfeldzug alle ihr nicht ergebenen Ritter niedermachen und ihre Burgen und Schlösser durch hörige Bauern der Umgebung bis auf den Grund zerstören15: so die Burg Weißenstein bei Wehrda, die Hunburg an der Ohm bei Anzefahr, die Hundeburg bei Oberrosphe, das Schloß Hollende bei Warzenbach und die Burg Blankenstein bei Gladenbach. Die Herren zu Hohenfels bei Buchenau konnten sich und ihre Burg nur dadurch vorläufig retten, daß sie sich den Angreifern und der Herzogin bedingungslos ergaben.

Das war ein schwerer Schlag für den neuen Erzbischof von Mainz, und er holte sogleich zum Gegenschlag aus. Seine erste Maßnahme war, daß er um­gehend die Stadt Wetter wieder durch starke eigene Truppen besetzen ließ. Die zweite war, daß er anstelle der soeben zerstörten Burgen, besonders der Hollende westlich von Wetter, des alten Sitzes der Vögte, und der Hunde­burg östlich von Wetter, des Sitzes der Ritter von Rosphe als Verwalter des Burgwalds, nun nordöstlich am Burgwaldrand, hoch über dem alten Dorf Kene (später Keyne oder Kane) auf dem Berge „Elenhoug“ eine neue starke Festung, die Burg Mellnau errichten ließ16.

Und dies war ein kluger Schachzug, ebenso geschickt und klug wie 15 Jahre zuvor die Gründung der Burg auf dem Frankenberg durch die thüringi­schen Landgrafen, gegen die die neue Burg nunmehr in erster Linie gerichtet war. denn die Bergkuppe, auf der sie erbaut wurde, gewährte nicht nur einen weiten Ausblick in das Land nach Norden, Süden und Westen, sondern lag zugleich an und über 3 wichtigen Fernstraßen, die sich damals alle bei Toden­hausen kreuzten: Der alten Reichs- und Kaiserstraße, auch Weinstraße (d. h. Wagenstraße) genannt, die von Frankfurt und Wetzlar über Wetter am Sonn­wendskopf vorbei nach Frankenberg und weiter nach Niedersachsen führte; einer Abzweigung der Köln-Thüringer Handels- und Kaufmannsstraße, auch Sälzerweg (d. h. Salzhändlerweg) genannt, die von Berleburg herüberkam und über Niederasphe und Kene mitten durch den Burgwald nach Wohra, der Salzstadt Soden-Allendorf und Eisenach weiterzog; und schließlich der politi­schen Landstraße von Battenberg, dem neuen oberhessischen Grafensitz, über die heutige Schlagpfütze, über Oberrosphe und Schönstadt nach Amöneburg, dem Zentrum der Mainzer Herrschaft in Oberhessen17. Eine Festung, von der aus die Truppen des Erzbischofs alle diese wichtigen Straßen beherrschen, vor allem aber den Verkehr zwischen den landgräflichen Burgstädten Marburg und Frankenberg sperren konnten, mußte ein nahezu unbesiegbares Bollwerk sein. Und daß die Burg Mellnau das war, hat sie in den folgenden Jahrhunderten des Mittelalters bewiesen.

Die genaue Bauzeit der Burg ist nicht bekannt18. Der hessische Chronist Riedesel, der etwa 100 Jahre später schrieb, läßt sie schon um das Jahr 1246 entstehen und um dasselbe Jahr dagegen die Burg Frauenberg südlich von Marburg errichten19. Aber 1246 war die Herzogin Sophie von Brabant noch gar nicht im Land; sie kam erst 1248 nach Hessen, und der Frauenberg ist frühestens 1252 vor allem gegen Amöneburg erbaut worden. – Der Frankenberger Chronist Gerstenberg, der um 1500 schrieb, verlegt die Errichtung anscheinend in das Jahr 124720. Aber auch bis dahin bestand eigentlich noch kein besonderer Anlaß für den Erzbischof von Mainz, hier eine neue Burg zu gründen, zumal er noch genug andere Burgen in der Umgebung zur Verfügung hatte, die ihm entweder gehörten oder die doch von seinen Anhängern besetzt waren. – Meist wird daher angenommen, daß die Burg 1248 begonnen worden sei21. Dafür könnte immerhin sprechen, daß der erste Chronist Riedesel sie jedenfalls schon vor der Zerstörung von Weißenstein und Hollende erbauen oder wenigstens beginnen läßt22, zum andern aber der Fund einer Wetterschen Münze aus dem Jahre 1248, spätestens Anfang 1249, die auf der Vorderseite das Brustbild des Erzbischofs Siegfried, auf der Rückseite einen schreitenden Hirsch zeigt, der von den Fachkennern auf den Namen der neuen Wetterschen Schutzburg – „Elenhog“ – gedeutet wird23. Wenn damals wirklich der Bau der strategisch wichtigen Burg schon geplant oder begonnen war, so konnte er doch zumindest im Sommer 1249 noch nicht sehr weit ge¬diehen sein, denn sonst hätte die Herzogin sicher auch diese neue Trutzburg nicht unversehrt gelassen, sondern gleichfalls sofort wieder von Grund auf zerstören lassen, wie sie alle andern Mainzer Burgen der Umgebung dem Erdboden gleich machen ließ. – Dies nun war allerdings ein Grund zur schleunigen Errichtung einer ebenso „modernen“ wie zentral gelegenen Kampfburg gegen die neuen Feinde in Oberhessen, vor allem grade als Ersatz für die Hollende, an deren Stelle sie danach tatsächlich in jeder Richtung trat. Es ist bekannt, daß bald nach dem vernichtenden Blitzfeldzug der Herzogin durch Oberhessen der neue Erzbischof von Mainz Ende 1249 auf der Amöneburg eintraf, wo er verschiedene Ritter – sogar solche, die bisher den Landgrafen gedient hatten – als Burgmannen in seine Dienste nahm, zum Kampfe gegen jedermann, d. h. vor allem gegen die noch in Marburg weilende Herzogin von Brabant24. Von hier aus dürfte er damals auch die Anweisung zum sofortigen Aufbau der Burg Mellnau, vielleicht aufgrund schon bestehender oder eben fertiggestellter Pläne, gegeben haben. Fest steht, daß die Burg von dem Erzpriestersitz Amöneburg aus aufgebaut worden ist, von dem aus später die Mittel zu ihrer Unterhaltung und zum weiteren Ausbau beschafft, ja sogar erzbischöfliche Verwalter nach Mellnau gesetzt wurden. – Spätestens Anfang 1250 wird also mit der planmäßigen Bauanlage begonnen worden sein25. – Die neuere Meinung, die Burg sei erst „bald nach 1250“ erbaut worden26, kann sich also nur auf die endgültige Fertigstellung beziehen. Denn obwohl der Bau offenbar rasch voranging, dauerte es natürlich unter den damaligen Verhältnissen einige Jahre, bis ein solches massives Bauwerk auf der noch unbewohnten und unzugänglichen Höhe des Berges einwandfrei erstellt werden konnte.

In ihrer ersten Gestalt dürfte die Burg nur aus einem mehrstöckigen steinernen Wohnturm mit wenigen Nebengebäuden, dem eingeebneten und gepflasterten Innenhof sowie aus der alles umschließenden, mehrere Meter mächtigen und hohen Ringmauer bestanden haben, in die Wehrgänge und Schießscharten für die Ritter eingelassen waren27. Die Bau-, Transport- und Wegearbeiten besorgten die hörigen Bauern der Umgebung. – Zwischen 1248 und 1252 muß also der Gesamtaufbau der Burg, mit Befestigungsanlagen, Zufahrtswegen usw. erfolgt sein.

Die Herzogin Sophie konnte dem Bau offensichtlich keine Hindernisse in den Weg legen28. Denn einmal war sie grade Anfang 1250 mit ihren engsten Marburger Vertrauten und Gefolgsleuten nach Thüringen auf die Wartburg gezogen, um sich dort mit ihrem Vetter wegen der thüringischen Erbschaft auseinanderzusetzen. Zum andern mußte sie im Frühjahr 1250 schon wieder in Brabant sein wegen ähnlicher Angelegenheiten. Sie konnte sich deshalb um die Vorgänge in der Umgebung von Marburg im Augenblick nicht mit der Kraft kümmern, wie sie es begonnen hatte. Daher war es ja auch den Anhängern des Erzbischofs so bald gelungen, ihre Leute aus der Stadt Wetter wieder zu vertreiben und sie fest in ihren Besitz zu nehmen. Damit beherrschten sie zugleich den ganzen mittleren und südlichen Burgwald, und im Schutz von Wetter konnte der Aufbau der Burg Mellnau ungestört vorangehen. – Die Gegner in Marburg konnten inzwischen weiter nichts tun, als – seit 1252 — gegenüber der Amöneburg die Burg Frauenberg zu errichten, die aber, weil ungünstig gelegen, nie eine besondere Bedeutung erlangt hat29.

Der Name Mellnau stammt von dem Berg, auf dem die Burg erbaut wurde und bedeutet ursprünglich „Großer Hügel“.

Dafür belegte der Erzbischof dann Anfang 1252 die Herzogin Sophie noch mit dem Kirchenbann30. Und im Mai 1252 schloß er, wieder zu Amöneburg, ein Schutz- und Trutz-Bündnis mit dem Grafen Berthold von Ziegenhain und dem jungen Grafen Widekind von Battenberg, die ihm tätige Hilfe gegen jedermann gelobten31. Grade der letztere übernahm dabei offenbar den persönlichen Schutz der neuen Burg Mellnau, die ja innerhalb seiner Grafschaft lag. Er erwies sich auch in den Fehden der folgenden Jahre stets als ein treuer Parteigänger des Erzbischofs und erneuerte das Schutz- und Trutzbündnis mit ihm gegen die Herzogin und Landgräfin Sophie nochmals ausdrücklich zu Amöneburg im November 125932. Um diese Zeit muß die Burg Mellnau schon drohend und kampfbereit dagestanden haben, denn in den folgenden mehrjährigen Kämpfen der Landgräfin gegen den Mainzer Erzbischof (zwischen 1261 und 1263) hat sie bereits eine bedeutsame politische und militärische Rolle gespielt.

Über den Namen der Burg Mellnau ist ebenfalls viel gerätselt worden33. Er stammt von dem Berg, auf dem sie erbaut wurde, und ist natürlich sehr alt. In der ersten Urkunde von 1263 lautet er „Elenhouch“, wobei das „ch“ wie ein „g“ zu lesen ist; in den folgenden 50 Jahren lautet er meist „Elenhoug“ und ähnlich oder einfach abgekürzt „Elnhog“34, wie die Burg dann noch jahrhundertelang genannt wird. Dabei bedeutet die 2. Silbe nicht „hoch“ sondern „Hügel“ oder „Berg“, und die 1. Silbe hat nichts mit der Elle zu tun, sondern kommt von dem altgermanischen Wort „elan“, d. h. „groß“. Beides zusammen bedeutet also ursprünglich „Großer Hügel“ oder großer Berg35.

Um das zu verstehen, muß man sich auf den Standpunkt der Bauern des Dorfes stellen, das damals unten im Tale am Fuße des Berges lag und dessen erste, wohl chattische Bewohner ihm viele Jahrhunderte zuvor den Namen gaben. Wenn sie damals im tiefen Wiesengrund von „Kenaha“ aus ihren Hütten traten, dann erblickten sie vor sich stets als höchste Erhebung – dem Sonnwendskopf gegenüber – eben diesen Berg, den sie danach in ihrer altdeutschen Sprache einfach „elen houc“, den großen Hügel nannten. Als nun um 1250 der Erzbischof von Mainz auf diesem Berg eine Burg errichten ließ, kam der Name bald in aller Munde. Allerdings kannten die fremden Schreiber oft nicht die genaue mundartliche Bezeichnung, und so entstanden die vielen Zwischenformen und Abwandlungen der Schreibweise in der Folgezeit36. Aber auch die alte Bedeutung des Wortes war offenbar schon nicht mehr geläufig. So kam es, daß man nun unter „Elen“ – wie auch heute noch – einen Elch oder Hirsch verstand und den Namen als „Hirschhügel“ oder „Hirschberg“ deutete. Nur daher konnte es geschehen, daß die damals geprägten Wetterschen Münzen unter Anspielung auf die neue Stadtbefestigung einen Hirsch trugen37. Noch vielfältiger wurde die Schreibweise, als der Volksmund aus der Burg „Am Elenhog“ schon nach wenigen Jahrzehnten die Burg „M’Elenhog“ machte, woraus dann schließlich, mit den verschiedensten Abwandlungen, „Melnhau“ und endlich „Mellnau“ wurde.

Weiterlesen: Die ersten Jahrzehnte der Burg Mellnau um 1260-1300

  1. Heß, W., Der marburger Pfennig, in Hess. Jahrb. f. Landesgesch. Ed. 8 (1958) S. 71 ff., bes. S. 86 ff.
  2. Vgl. Boucsein, H., Der Burgwald, Marburg 1955, S. 47 ff.
  3. Vgl. Heldmann, A., Zur Geschichte des Stiftes Wetter, usw., in ZHG 34 (1901), s. 90.
  4. Ähnlich Heß, a. a. O., s. 89, auch f. d. Ebsdörfer Grund usw.
  5. Vgl. Demandt, K. E., Geschichte d. Landes Hessen, 1959, S. 142/3.
  6. Ebenso für Fritzlar: Demandt, K. E., Quellen z. Gesch. d. Stadt Fritzlar im Mittelalter, 1939, S. 8 ff.; Falckenheiner, Gesch. Hess. Städte u. Stifter, S. 64 ff.; ähnlich Görich, W., Frühmitt. Straßen u. Burgen in Oberhessen, Diss. 1948, S. 106 ff.: „Verm. nach 1079″.
  7. Vgl. Görich, W., Ein Spiel mit Städten und Burgen, in Gesch.-Beil. d. OP 1949, Nr. 20.
  8. Heldmann, A., Zur Gesch. d. Stifts Wetter, a. a. O., S. 102 ff.; Schäfer, K. H., Gesch. d. Ortschaften im Amt Wetter, Marburg 1929, S. 3 u. 26; Berndt, H., Der Burg¬wald, Diss. Marburg 1948 (Masch.) S. 114; Diefenbach, H., Der Kreis Marburg, 1943, S. 201; Heß, a. a. O., S. 86 ff.; Lennarz, U., Terr. gesch. d. hess. Hinterlandes, Diss. Marburg 1957 (Masch.), 5.51; Henseling, J., Wüste Orte um Mellnau, in Hessenld.¬Beil. d. OP 1961, F. 22. – Soweit im Folgd. auf die Urkunden selbst nicht ausdr. verwiesen wird, finden sie sich in Anl. 1.
  9. Anhalt, E., D. Kreis Frankenberg, 1928, S. 32; Görich, W., Spiel mit Städten u. Burgen a. a. O.; Demandt, K. E., Gesch. des Landes Hessen, 1959, s. 146 f.
  10. Ilgen, Th., u. Vogel, R., Gesch. d. thür. Erbfolgekrieges 1247/64, in ZHG 20 (1883) S. 247; Görich, W., a. a. O.
  11. Dazu Wenck, K., Die letzten Jahre d. Ludow. Herrschaft, in Mitt. d. VHG.1899, S. 42 ff.
  12. Ilgen u. Vogel, a. a. O., S. 263 ff.
  13. Ilgen u. Vogel a. a. O., S. 240; Schäfer, Ortschaften, a. a. O., S. 26.
  14. Vogt, E., Mainz u. Hessen im spät. Mittelalter, Teil I. in Mitt. d. Oberh. Gesch. V., NF. 19 (1911) S. 12.
  15. Ilgen u. Vogel, a. a. O., S. 272 ff.; Görich, W., Die Hunburg b. d. Betziesdorfer Hainmühle, in Gesch.Beil. d. OP 1952, Nr. 90; Henseling, J., Wüste Orte um Mellnau u. Oberrosphe (Forts.) in Hessenld.Bei1. 1961, F. 23.
  16. Schäfer, a. a. O., S. 27; Hampel, H., 700 Jahre Mellnau, in Gesch.Beil. 1950 Nr. 27; Henseling, J., a. a. O., F. 22.
  17. Vgl. Diefenbach, H., a. a. O., S. 132; Hampel, a. a. O.
  18. Landau, G., Die hess. Ritterburgen Bd. 4 (1839), S. 171 läßt den näheren Zeitpunkt offen; anders in Beschr. des Kurfürstentums Hessen (1842) II. 2. T., S. 391.
  19. Riedesel bei Kuchenbecker, J. Ph., Analecta Hass., Coll. III, 7. Ebenso Plitt, J. J., Nachr. v. d. Stadt Wetter, 1769, 24; Winkelmann, J. J., Beschr. d. Fürstent. Hessen u. Hersfeld, 1697, T. 4 228/9; Dersch, W., Oberh. Heimatgeschichte, 1925, S. 56.
  20. Gerstenberg bei Diemer, H., Die Chroniken, 1909, S. 214/15.
  21. So schon Justi, K. W., Die Vorzeit 1838, S. 145/47; Heldmann, A., Stift Wetter a. a. O., S. 81; auch Heßler, C., Hess. Landes- u. Volkskunde, 1906/7, I. 2. T., S. 274 und Sangmeister, E., Der Christenberg usw., 1921, S. 23.
  22. Bei Kuchenbecker, Coll. III, S. 7.
  23. Buchenauer, H., Der Marburger Brakteatenfund, Marburg 1924, 5.10/11; Heß, W., Der Marburger Pfennig, a. a. O., S. 94. 24) Ilgen u. Vogel, a. a. O., S. 274.
  24. Ilgen u. Vogel, a. a. O., S. 274.
  25. So auch Landau, G., Beschr. d. Kurfürstentums Hessen, 1842, II. 2. T., S. 391; ähnlich (um 1250) Reimer, Hist. Ortslexikon v. Kurh. 1926; Görich, W., Der Christenberg in Hess. Heimat 1953, S. 17; derselbe, Burg Frauenberg, in Hessenld.-Beil. d. OP 1962, F. 10/11; Boucsein, H., Der Burgwald, S. 2.
  26. Vgl. Ilgen u. Vogel, a. a. O., S. 312; Hampel, H., a. a. O.; Eckhardt, W. A., „Mellnau“ in Handb. d. Hist. Stätten, Bd. 4 S. 301.
  27. Vgl. die ähnliche Anlage der etwa gleichzeitig errichteten Burgen Schweins¬berg: Eckhardt, W. A., in Gesch.Beil. d. OP 1953, Nr. 129, und Rauschenberg: ders. in Handb, d. Hist. Stätten Bd. 4 Hessen, S. 340.
  28. Justi, K. W., a. a. O., S. 147; Landau, G., Die hess. Ritterburgen, Bd. 2, 1833, S. 201 ff.; Görich, W., in Hessenld. a. a. O.
  29. Ilgen u. Vogel, a. a. O., S. 245, 290 ff.
  30. Vogt, E., Mainz und Hessen, a. a. O., s. 14.
  31. Ilgen u. Vogel a. a. O., S. 311; Grotefend, Landgrafenregesten Nr. 35.
  32. Ilgen u. Vogel a. a. O., S. 333; Grotefend, a. a. O., Nr. 61.
  33. Vgl. Justi a. a. O., S. 145.
  34. Im einzelnen vgl. Anlage 2.
  35. Arnold, W., Ansiedlungen u. Wanderungen deutscher Stämme, 1875, S. 342;Bach, A., Deutsche Namenkunde, 1953, Bd. II, T. 1, § 288 S. 257; Berndt, H., Burgwald, s. 119.
  36. Der Verf. hat über 50 Schreibweisen festgestellt, vgl. AnL 2.
  37. Vgl. Buchenauer, H., u. Heß, W., a. a. O. (Note 23 oben).
Etwas kundtun